Ulrich Tadday (Lehrgang 2016/2017)

Vom „grünen Abitur“ ist häufig die Rede, wenn über die Jägerprüfung gesprochen wird, und dies nicht ohne Grund. Es gilt, eine Fülle von Stoff zu bewältigen und auch in Zeiten von Jäger-Apps, YouTube und Online-Portalen ist noch kein Nürnberger Trichter erfunden worden. Wichtig ist es deshalb, wie die fünf Fachgebiete vermittelt werden. Allein die Tatsache, dass kein einziger der 25 Teilnehmer den sieben Monate dauernden Jägerlehrgang, trotz beruflicher Belastungen, abgebrochen hat, beweist, wie gut es unseren Ausbildern, die allesamt Fachleute auf ihrem Gebiet und erfahrene Jäger sind, gelungen ist, uns für die Sache anhaltend zu begeistern. Die Möglichkeit als Treiber an einer Anrührjagd in einem Revier der Niedersächsischen Landesforsten teilnehmen zu dürfen, eine Exkursion zum Jagdschloss und Wisentgehege Springe, mehrere Reviergänge und das intensive Schießtraining haben natürlich mitgeholfen, die Leute bei der Stange zu halten. Wichtig ist nämlich, dass man selbst motiviert ist, die theoretischen Grundlagen der Jägerei ernsthaft erlernen zu wollen. Nicht der schnelle Sprinter, sondern der ausdauernde Langläufer ist halt gefragt. Denn es ist doch einfach so, dass „Bulimie-Lernen“ nicht zu einem tieferen Verständnis dessen führt, was eine fachgerecht ausgeübte Jagd heute ist und sein soll: waidgerecht. Und damit sind entgegen aller herrschenden Vorurteile vor allem das nachhaltige umweltgerechte Handeln, der aktive Tier- und Naturschutz gemeint, nicht zuletzt aber auch das soziale Verhalten der Jäger selbst.

Für mich war es eine persönliche Bereicherung gemeinsam mit allen anderen angehenden Jungjägern zu erfahren, wie sich im Laufe des Jägerlehrgangs nach und nach die tiefere Einsicht in ökologische, aber auch in rechtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge einstellte, die den Satz: „Grau, treuer Freund, ist alle Theorie“, der Lüge straft. Nun ja, und was die Praxis angeht, hier gilt freilich der Satz: Nach der Prüfung ist vor der Prüfung.

Mit Waidmannsheil
Ulrich