Wer sich mit dem Gedanken trägt die Jägerprüfung zu absolvieren, stößt recht bald auf die Frage: Gehe ich zu einer privaten Jagdschule oder melde ich mich beim Jägerlehrgang der örtlichen Jägerschaft an?

Die Antwort ist abhängig von mehreren Faktoren. Die beiden wichtigsten dürften wohl Zeit und Geld sein. Ein Kompaktkurs in einer Jagdschule dauert nicht so lange und lässt sich vielleicht im Urlaub innerhalb weniger Wochen erledigen. Dafür ist der Lehrgang in einer kommerziellen Jagdschule teurer, besonders wenn man für die Lehrgangsdauer eine Unterkunft vor Ort braucht – was bei Kompaktkursen der Regelfall ist.

Neben Zeit und Geld spielen bei der Entscheidung “Jagdschule oder Jägerschaft” aber noch andere Überlegungen mit hinein. Selbst wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen, sollten Sie zuerst für sich selbst die Frage beantworten: Was ist mir wichtig? Will ich in möglichst kurzer Zeit den Jagdschein machen oder möchte ich den ersten Schritt auf dem Weg zum Jäger/zur Jägerin dort machen, wo ich später auch einmal die Jagd ausüben möchte? Will ich nur den “Schein”, oder will ich Mitglied einer Gemeinschaft sein, von Anfang an?

Die Erfahrungen unserer Absolventen haben gezeigt, dass die Vorbereitung auf die Jägerprüfung in einem mehrmonatigen Lehrgang unserer Jägerschaft Vorteile gegenüber der Schnellausbildung in einer kommerziellen Jagdschule hat. Hierbei ist es nicht so sehr die reine Wissensvermittlung oder der stoffliche Umfang der Ausbildung – diese sind in einer Jagdschule nicht zwangsläufig schlechter – sondern es sind mehr die lernpsychologischen Aspekte und das Heranführen und Hineinwachsen in eine Wertegemeinschaft, was den Unterschied ausmacht.

Teilnehmer des Jägerlehrgangs beim Versorgen von Schwarzwild.

Menschen sind verschieden – der eine lernt schnell und ist hoch belastbar, der andere braucht etwas länger, um den Stoff zu verinnerlichen. Auch das Vorwissen spielt eine große Rolle. Wer mit der Jagd aufgewachsen ist und/oder aus der Landwirtschaft kommt, der hat schon „Bilder im Kopf“, für den ist nicht alles völlig fremd. Aber den erlernten Stoff zu Hause in Ruhe nacharbeiten zu können, das Team-Building innerhalb eines Lehrgangs, das gemeinsame Erlebnis auf Exkursionen, auf dem Schießstand, die aktive Teilnahme an Bewegungsjagden, die Teilhabe an Aktivitäten der Jägerschaft und Ihrer Hegeringe schon während der Ausbildung – das ist es, was unsere Jungjägerinnen und Jungjäger von anderen unterscheidet. Durch den hohen Praxisanteil in der Ausbildung haben unsere Jungjägerinnen und Jungjäger einen Vorsprung bei ihrem Start ins Jägerleben, werden akzeptiert und respektiert und sind bei unseren Revierinhabern gern gesehen, wenn sie ihre Mithilfe anbieten.

Wir legen Wert auf die Feststellung, dass es nicht unser Ziel ist, möglichst viele Kandidaten durch die Jägerprüfung zu schleusen. Wir arbeiten nicht profitorientiert, sondern bilden unseren eigenen Nachwuchs aus. Die Vermittlung des geforderten Wissens zum Bestehen dieser schweren Prüfung ist notwendig, aber nicht hinreichend. Wichtiger aus unserer Sicht ist es, dass wir nicht nur Jagdscheininhaber “produzieren”, sondern Jäger. Um aber gerechte Jäger heranzuformen, bedarf es eben nicht nur des “Einbimsens” von Lehrstoff in kürzester Zeit, sondern der Vermittlung der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen – Naturzusammenhänge ebenso wie gesellschaftliche und (jagd-)politische Zusammenhänge. Das braucht seine Zeit. Wer nur blind Stoff in sich hineinpaukt, um eine Prüfung zu bestehen, der wird den Blick fürs Ganze, das Bild der Jagd, nicht erlangen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Jägerlehrgangs werden mit großer Sorgfalt und modernen Schulungsmethoden auf das “Grüne Abitur” vorbereitet. Ausgebildet werden sie von unserem erfahrenen Ausbilderteam, in dem jeder ein ausgewiesener Profi in seinem Ausbildungsfach ist: Forstwirt, Berufsjäger, Jurist, Schießlehrer, Ingenieur, Verbandsrichter etc. Und alle unsere Ausbilder sind natürlich aktive Jäger und Hundeführer.

Labrador Retriever

Wenn Sie also auch gerade vor der Frage „Jagdschule oder Jägerschaft“ stehen, legen Sie sich erst einmal selbst die Karten. Wenn der Beruf und die Familie es zeitlich hergeben, dann sollten Sie sich für den Lehrgang unserer Jägerschaft entscheiden. Und wenn es sich denn partout nicht einrichten läßt, ein halbes Jahr lang an zwei Abenden in der Woche am Unterricht teilzunehmen und ein paar Samstage für die Schießausbildung und Exkursionen zu opfern, dann suchen Sie sich eine gute Jagdschule. Aber egal, wie Sie sich entscheiden: Wenn Sie denn die Prüfung bestanden haben, werden Sie Mitglied der Jägerschaft und stärken Sie so unsere Interessenvertetung. Unsere Lehrgangsteilnehmer sind es automatisch.