Gerade als Gerd Offer, Naturschutzobmann der Kreisjägerschaft Verden, beginnt, über den renaturierten Teich nahe des Gewerbegebiets Achim-Ost zu sprechen, huschen drei Rehe aus dem Dickicht auf der anderen Seite des Gewässers und verschwinden in der Achimer Marsch. Passend, denn gerade Wildtieren wie den Rehen soll das erhaltene Buschwerk auf der Nordseite zugutekommen. Ansonsten haben zahlreiche Helfer im vergangenen Jahr einiges an Bewuchs entfernt – und damit das 65. Feuchtbiotop in 18 Jahren geschaffen.
„Die Kreisjägerschaft hat ein Programm, in dem es um das Anlegen und die Renaturierung von Feuchtbiotopen geht“, erklärt Jürgen Luttmann, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Jäger die alte Moorkuhle in den Blick nahmen und die Idee an die Kreisjägerschaft und an den Grundstückseigentümer herantrugen. Zahlreiche Bäume – vornehmlich Birken und Weiden – rund um das Gewässer hatten mit ihrem Laub über Jahrzehnte hinweg dafür gesorgt, dass es immer mehr verlandete. „Dazu kommt, dass wir hier sehr hoch auf dem Geestrücken sind, das hat auch zur Verlandung beigetragen“, erklärt Jagdpächter Joachim Tiedau.

Der Plan: dafür sorgen, dass aus dem insgesamt gut einen Hektar großen Areal ein Feuchtbiotop werden kann und damit eine Lebensgrundlage für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu schaffen, die auf Wasser angewiesen sind, wie zum Beispiel Lurche, und zugleich Rückzugs- und Regenerationsräume entstehen. Davon sollen auch zahlreiche Insektenarten, wie Libellen, Wasserläufer, Rückenschwimmer und Wasserkäfer sowie Vögel wie der Weißstorch und zahlreiche Wiesenvogelarten profitieren. Sehr zur Freude von Grundeigentümer Peter Hahnenfeld: „Er war begeistert“, erinnert sich Offer. „Das ist nicht selbstverständlich, denn für den Grundstückseigentümer bedeutet diese Art der Fläche einen finanziellen Ausfall.“
Die Kreisjägerschaft kümmerte sich daraufhin um die notwendigen Genehmigungen, „und wir besorgen bei Projekten wie diesen auch das Geld“, so Luttmann. Im Fall der alten Moorkuhle in der Achimer Geest ist es die Bingo-Umweltstiftung, aus deren Töpfen 21 000 Euro in das Projekt fließen, zuzüglich der Eigenleistung seitens der Jagdpächter, sodass das Vorhaben als Ganzes ein Volumen von etwa 25 000 Euro hat. Ebenfalls beteiligt: die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Verden, die das Projekt behördlich begleitet hatte.
Im vergangenen Oktober machten sich die Beteiligten daran, aus dem verlandeten Tümpel und dem Gelände herum insgesamt gut ein Hektar – ein Biotop zu machen. Dazu gehört auch, die Bäume und Sträucher um das Gewässer herum zu entfernen, lediglich der Bewuchs auf der Nordseite ist auf Empfehlung des Landkreises dort geblieben. Ebenfalls geblieben, wenn auch auf der Seite aufgeschichtet, sind die ausgebuddelten Wurzeln der entfernten Sträucher. Sie sollen, wie auch weiteres Holz, Insekten einen Lebensraum bieten. „Auch die Wurzeln haben einen Wert für die Natur“, erklärt Offer. Ebenso häckselten sie das gefällte Holz, auch das Häckselgut verbleibt verteilt auf dem Gelände.
Einiges an Aufwand erforderte auch das Entfernen des Stacheldrahts am Rand des Areals, der zum Teil auch stark eingewachsen war. Beim Teich selbst ging es den Jägern darum, die ursprüngliche Form des Gewässers wiederherzustellen. Das wiederum übernahm eine Firma aus Dörverden mit schwerem Gerät. „Wir haben Bereiche mit unterschiedlichen Tiefen und Neigungen geschaffen“, erklärt Offer. Maximal hat das Wasser eine Tiefe von 0,8 bis einem Meter. Auch die Wasserfläche ist nun größer und beträgt rund 3 500 Quadratmeter. Mit dem Aushub aus dem Teich entstanden Wälle, um verschiedene Uferarten herzustellen, die den verschiedenen Tierarten zugute kommen sollen: Steilufer, aber auch flache, leicht zugängliche Bereiche. Auch den Zulauf zu einem angrenzenden Entwässerungsgraben haben die Jäger wieder freigelegt.
Gute zehn Tage dauerte die Maßnahme, „jetzt ist die Menschenhand fertig, alles Weitere übernimmt die Natur“, sagt Offer. „Denn das Wasser hat eine Anziehungskraft, die wir oft unterschätzen. Im Frühling werden wir sehen: Hier ist Leben!“
Text und Bilder: Nina Baucke