Frühlingsgefühle bei Kröte und Co.

Liebestolle Amphibien bekommen in Dörverden und Kirchlinteln Hilfe bei der Straßenquerung

An warmen Wandertagen sind die Eimer gut gefüllt und es wurden bereits mehrere Hundert Amphibien von Nabu-Helfern über die B 215 getragen. © Niemann

Dörverden/Kirchlinteln – Mit den ersten warmen Frühlingstagen haben sich Kröte & Co wieder aufgemacht, um an ihre Laichplätze zu gelangen.
In der Gemeinde Dörverden haben Mitarbeiter der Kreisbehörde und private Tierschützer daher entlang der wichtigsten Wanderroute an der B215 im Bereich Drübberholz wieder
Schutzzäune für die Kröten aufgestellt. So wird die Gefahr, dass sie bei ihrem Weg aus dem Winterquartier überfahren werden, minimiert.
Entlang der kniehohen Zäune sind in kurzen Abständen Fangeimer im Boden eingelassen, die jetzt täglich Mitglieder des Nabu-Ortsvereins Dörverden und private Helfer kontrollieren. 
Sie sammeln  die Amphibien ein, bringen sie sicher auf die gegenüberliegende Straßenseite, um sie unweit ihres Laichgewässers abzusetzen. In jedem Fangeimer sind Stöcke befestigt, an denen versehentlich gefangene Insekten oder Kleinsäuger wieder herauskrabbeln können. Das können die Amphibien nicht. Für die Tiere ist es allemal besser, ein paar Stunden im Eimer auszuharren, als unter Autoreifen zu geraten.
Denn das, so Projektkoordinatorin Melanie Wiege, sei bedauerlicherweise nur allzu oft der Fall – vor allem bei den „Kerlen“.  Die bildeten nämlich die Vorhut, hüpfen los zum Paarungsge-
wässer, bis sie irgendwann auf der Strecke durchs Gelände eine Fläche fänden, wo sie sich einen guten Überblick verschafften. Dort machten viele der Krötenmänner Halt, um auf die  Weibchen zu warten.
Denn wer auf dem Weg zeitig eine Partnerin abgreife, habe gleich mehrere Vorteile: Das Weibchen sei dann das seine und schleppe ihn auch, weil er sofort aufspringe und sie in einen
fortwährenden Klammergriff nehme. Tragisch sei nur, dass die männliche Vorhut Straßen gerne mit solchen Aussichtflächen verwechsle und sie zumeist regungslos und hoch aufgerichtet
auf der Fahrbahn sitzen bliebe. Die Lichter eines heranbrausenden Fahrzeugs indes nähmen sie nicht als Gefahrenquelle wahr. So weit ist die Evolution leider noch nicht.                          
„In Dörverden nehmen Helfer bereits seit 13 Jahren ehrenamtlich die Sammelarbeit wahr und haben so alleine im vergangenen Jahr für über 3.000 der liebestollen Amphibien den  ransport über die stark befahrene Straße übernommen“, wie Tina Rolfsmeyer erzählt. Sie schätzt, dass die Krötenwanderung noch bis um Ostern herum andauert. „Aktuell geben die  Kröten richtig Gas. Alleine am vergangenen Wochenende haben unsere Helfer fast 300 Kröten eingesammelt und gerettet“,  so Rolfsmeyer, die ihre Freude darüber betont, dass dem Nabu-Ortsverein dieses Mal ausreichend Helfer zur Verfügung stehen, die das Amphibienschutzprojekt überaus tatkräftig unterstützen.

Ein neuer Krötenzaun an der Heinser Dorfstraße. Foto: (c) Jägerschaft

Amphibienschutz findet auch in Kirchlinteln statt. Er habe seinen Augen nicht getraut, als er am Montag in sein Revier gefahren sei, berichtet der frischernannte Ehrenvorsitzende der Kreis-Jägerschaft, Jürgen Luttmann. Auf den letzten 200 Straßenmetern im Lehrdetal lagen über 50 überfahrene Amphibien.
„So etwas hat es hier bisher nicht gegeben“, resümierte Luttmann. Als Grund vermutet er die Renaturierung von alten Fischteichen, die vor einigen Jahren mit amphibienfreundlichen
Uferbereichen angelegt wurden. Daraus habe sich über die Jahre anscheinend eine deutliche Steigerung der Amphibienpopulation ergeben.
Am Montagmorgen wurde deshalb kurzerhand Material für einen 200 Meter langen Schutzzaun von der Unteren Naturschutzbehörde ausgeliehen und am Nachmittag entlang der Heinser
Straße von örtlichen Jägern installiert.
Die morgendlichen Leerungen der Amphibien-Eimer übernehmen Ernstine und Nick Krützfeld. Das Ehepaar wohnt in der Nähe des Zaunes und ist laut Luttmann „schon lange Fan der Verdener Hegefondsprojekte“.

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