Odeweg/Landkreis – Für die beiden Wolfsübergriffe auf die Schafherden in Westerwalsede und Schafwinkel (Kreis Verden) im Dezember vergangenen Jahres zeichnet das „Rotenburger Rudel“ verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kam das Senckenberg-Institut (Frankfurt am Main).
Anhand der DNA-Proben konnten die beiden Elterntiere GW3289f und GW2350m festgestellt werden. Das teilt Matthias Eichler, stellvertretender Pressesprecher im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, auf Anfrage mit.
Am 8. Dezember hatten die Grauen acht Tiere einer Herde Shropshire-Schafe getötet. Zehn Tage später erwischte es den Wittorfer Schäfer Heiner Gerken. Er hatte einen Teil seiner Herde in Schafwinkel stehen. 16 seiner Tiere fielen den Wölfen zum Opfer. Aufgrund der großen Menge an verzehrtem Fleisch galt damals bereits als sicher, dass ein Rudel für den Übergriff verantwortlich zeichnete.
Am 1. März wurde in Odeweg eine Herde von Gerken erneut Opfer von Wölfen: 17 Schafe tot, drei verletzt, drei sind verschollen. „Ich hatte sogar einen höheren Zaun gekauft“, sagt Gerken. Der Wittorfer hängt seinen Beruf als Schäfer jetzt an den Nagel.
Am gleichen Morgen des 1. März traf es noch drei Schafe. Und das bei Tageslicht, irgendwann nach 7 Uhr. Hunger kann das bei den Wölfen wohl kaum mehr gewesen sein. Der „Rotenburger“ Rüde mit der fortlaufenden Nummer GW2350m war im vergangenen Jahr nachweislich noch an mindestens zwei Schafrissen beteiligt: am 31. August in Riekenbostel und am 18. November in Wittorf, Landkreis Rotenburg. Am 3. Februar 2025 waren zwei Nachkommen des Rotenburger Rudels bei der Tötung von drei Schafen in Odeweg beteiligt.
Im Januar hatte es weitere Wolfsrisse im Landkreis Rotenburg gegeben. Aufgeführt in der offiziellen Risstabelle des Landes fanden zwei in Riekenbostel und einer in Hiddingen statt. In zwei der bisher ausgewerteten Fälle waren es nicht die Rotenburger Wölfe. Darüber hinaus war am 20. Februar ein Grauer tot in Visselhövede aufgefunden worden. Ein DNA-Ergebnis ist bislang nicht veröffentlicht.
Bisher wurde die Heimat des Rotenburger Rudels beim Spanger Forst verortet. Dort, weil mehrfach Welpen in dem Bereich gesichtet worden waren, beziehungsweise auf dem Bockel und im Breitenfeldermoor. Seit 2019/20 wird die Umgebung hier offiziell als Wolfsterritorium geführt, da damals ein Paar bestätigt werden konnte. Allerdings andere Elterntiere als heute. Ein Jahr später wurde der erste Welpe bekannt. Dann ging das Revier in andere Pfoten. Im Monitoringjahr 2024/25 galten fünf Welpen als bestätigt, im noch laufenden vier. Die nächsten, sollte es welche geben, kommen im April oder Mai zur Welt.
Laut der DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf) gilt als sicher: Niedersachsen und Brandenburg beherbergen wohl jeweils die meisten Wölfe, mehr als 400 sollen es pro Bundesland sein. Von 2006 bis 2024 stieg die Anzahl verletzter und getöteter Weidetiere von 40 auf rund 4.300 bei etwa 1.100 Ubergriffen durch Wölfe. 2022 und 2023 lag die Zahl schon mal darüber.
BD