Landkreis Verden – Was Anfang der 1970er-Jahre als bundesweites Gemeinschaftsprojekt von Förstern und Schulen begann, ist im Landkreis Verden heute ein fester Bestandteil der Umweltbildung. Die Waldjugendspiele, einst vom Forstamt Rotenburg in den Verdener Stadtwald gebracht, verbinden seit Jahrzehnten Naturerlebnis, Wissen und regionales Engagement – und das mit wachsendem Erfolg.
Einen Wendepunkt markierte das Jahr 2005. Durch die Forstreform stand die Fortführung der Waldjugendspiele plötzlich in Frage. Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann wandte sich daraufhin an die Kreisjägerschaft – mit Erfolg. Noch im selben Jahr übernahmen Jägerinnen und Jäger die Organisation. Unterstützt von privaten Waldbesitzern, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und dem städtischen Betriebshof begann eine neue, stabile Phase für die Veranstaltung.
Aus ursprünglich rund 850 teilnehmenden Kindern entwickelte sich im Laufe der Jahre eine Großveranstaltung mit heute mehr als 1.300 Schülerinnen und Schülern. Um dem Ansturm gerecht zu werden, wurden zwei Parcours – „Uhu“ und „Luchs“ – mit inzwischen 26 Stationen eingerichtet und die Waldjugendspiele auf vier Tage ausgeweitet. Rund 150 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind täglich im Einsatz: Jäger, Lehrkräfte, Eltern, Imker, Feuerwehr, Landvolk und viele weitere Engagierte sorgen dafür, dass Lernen, Bewegung und Naturerfahrung Hand in Hand gehen.
Ein besonderes Merkmal ist das begleitende Patenprogramm. Jägerinnen und Jäger unterstützen Schulen im Sachunterricht, führen Exkursionen durch oder bringen mit Infomobil, Präparaten und Anschauungsmaterial den Wald direkt ins Klassenzimmer. Mit zertifizierter Ausbildung entsteht so eine nachhaltige Brücke zwischen Theorie und praktischer Erfahrung – ein Konzept, das weit über den Landkreis Verden hinaus Anerkennung findet.
Auch die Waldjugendspiele 2025 bestätigten den Erfolg: An vier Tagen nahmen 1.323 Kinder aus 67 Klassen teil. Tagessiege gingen an Klassen aus den Grundschulen Völkersen, Sachsenhain, Westen, Otterstedt, Baden, Uesen, Langwedel und Morsum. Gesamtsieger wurde die Klasse 4a aus Uesen. Sie erhielt den Wanderpokal „Axel“, einen lebensgroßen hölzernen Keiler. Traditionell wurde zudem der „Baum des Jahres“ gepflanzt – diesmal eine Roteiche, die künftig an den Erfolg erinnern wird.
Ein weiteres Highlight: Die Siegerklasse sowie die ausgeloste Klasse 4c der Jahnschule dürfen einen Tag im Wildpark Lüneburger Heide verbringen. Möglich wurde dies durch die Unterstützung der Familie Tietz und Mittel aus dem niedersächsischen Umweltpreis. Getragen wird die Veranstaltung von einem breiten Netzwerk regionaler Unterstützer – darunter Banken, Stiftungen, lokale Märkte, Serviceclubs und Unternehmen. So sind die Waldjugendspiele längst mehr als ein Wettbewerb: Sie sind ein lebendiges Gemeinschaftsprojekt für Umweltbildung. Und während „Axel“ nun ein Jahr in Uesen verweilt, laufen die Planungen für 2026 bereits – denn die Erfolgsgeschichte geht weiter.
LARS GLANDER