Kreiszeitung 23.9.26: „1.603 Viertklässler bei Waldjugendspielen in Verden – neuer Rekord“

29 Schulen aus dem ganzen Landkreis schicken ihre Klassen in den Verdener Stadtwald. Die Aktion gilt laut Veranstaltern als deutschlandweit einzigartig in dieser Größenordnung.

Zahlreiche Kinder freuen sich am ersten Tag der Waldjugendspiele auf einen spannenden Tag - Foto: Friedrich Köhler

Verden – Die Antwort fällt eindeutig aus: „Cool!“, rufen sieben Kinder gleichzeitig. Auch die anderen Teilnehmenden sind begeistert. „Mega“ finden sie die Waldjugendspiele, „toll“ oder „sehr cool“. Und warum? „Weil es Spaß macht“, sagt Anays. Und weil die Stationen interessant sind, ergänzt Sophia und bilanziert: „Wir haben gelernt, dass der Wald voller Wunder steckt.“

1.603 Schülerinnen und Schüler sind für die Waldjugendspiele angemeldet, die in dieser Woche von Dienstag bis Freitag im Verdener Stadtwald stattfinden. Sie kommen von 29 Schulen aus dem ganzen Kreis. „Ein neuer Teilnehmerrekord“, freut sich Lars Glander, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit in der Jägerschaft des Landkreises Verden. Die Aktion ist „deutschlandweit einzigartig in dieser Größenordnung“, sagt Jürgen Luttmann, langjähriger Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Seit Anfang der 70er-Jahre gibt es die Waldjugendspiele in Verden, vor 22 Jahren haben die Jäger und die Forstbetriebsgemeinschaft die Organisation übernommen und die Aktion auf den gesamten Landkreis ausgeweitet.

 

Tagessieger von Dienstag

Parcours Luchs:
Platz 1: Grundschule Blender, Klasse 4a
Platz 2: Astrid-Lindgren-Grundschule Achim, Klasse 4d
Platz 3: Astrid-Lindgren-Grundschule Achim, Klasse 4c
Parcours Uhu:
Platz 1: Grundschule am Lönsweg, Verden, Klasse 4a
Platz 2: Grundschule am Sachsenhain, Verden, Klasse 4b
Platz 3: Grundschule am Sachsenhain, Verden, Klasse 4c

Viel Zeit und Herzblut investieren die Ehrenamtlichen, damit die Viertklässler Spiel, Spaß und Spannung erleben. Zehn Leute bilden das Organisationsteam. Vor Ort sind täglich rund 70 Fachleute wie Jäger, Förster, Landfrauen und Imker, außerdem etwa 60 Vertreter der Elternschaft. Um die Kosten für die Anreise zu der „Lehrveranstaltung in der Natur“ zu stemmen, können die Schulen dieses Jahr erstmals bei der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung Geld für die Busfahrt beantragen. Der Betriebshof baut die Stationen jeden Morgen auf. Und auch mehrere Sponsoren tragen ihren Teil zu dem Mammutprojekt bei.

„Unheimlich wichtig“ findet Luttmann die Waldjugendspiele. „Die Naturentfremdung bei Kindern wird immer größer“, sagt er. „Wir wollen erklären, dass Naturschutz nicht optimal ist, wenn ich alles laufen lasse. Wir leben von der nachhaltigen Nutzung der Natur.“ Glander ergänzt, dass die Waldjugendspiele ein „fester Bestandteil der Umweltbildung“ sind.

Um die große Anzahl der Teilnehmenden zu händeln, werden sie in Uhus und Luchse aufgeteilt. Für beide Gruppen ist jeweils ein Parcours mit 30 identischen Stationen aufgebaut, die die Kinder wiederum in Teams à fünf bis neun Personen durchlaufen. Das Programm ist abwechslungsreich. Hier dürfen die Schüler präparierte Tiere bestimmen, dort steht eine Waldkegelbahn bereit. Die Feuerwehr klärt über Waldbrände auf. Die Schüler erfahren, dass der Borkenkäfer bei durch Wärme und Trockenheit gestressten Bäumen leichtes Spiel hat. Sie dürfen schätzen, wie alt ein Baum ist – und umarmen Hand in Hand erst mal den dicken Stamm. Das Landvolk lässt Feldfrüchte fühlen und schätzen. Staunend sehen die Kinder, wie der Zapfen einer Strobe, auch Weymouthskiefer genannt, aussieht und welche Spuren ein Wildschwein hinterlässt. „Der Wald schützt Menschen vor schädlichen Einflüssen“ steht auf einem Schild; „Der Wald dient Tieren und Pflanzen als Lebensraum“ auf einem anderen.

An einer Station gilt es, Säcke in ein Loch zu werfen. „Wir haben die volle Punktzahl“, jubelt ein Junge, bevor es für seine Gruppe auch schon weitergeht. „Es macht Spaß, im Wald abzuhängen“, meint Marissa. Wie viel Spaß, das ist den Kindern unterwegs anzusehen: Viele rennen lachend von einer Station zur nächsten.

Gar nicht so einfach ist es, ein 500 Gramm schweres Stück von einem Ast abzusägen oder mit Holz auf dem Kopf zu balancieren. Für viel Gelächter sorgt eine Station der Jagdbläser, an der die Schüler dicke Backen machen, während sie – mehr oder minder erfolgreich – versuchen, einem Jagdhorn einen schönen Ton zu entlocken.

Wie sehen Männchen, Weibchen und Jungtier von Rothirsch und Damhirsch aus? Warum sind Eichhörnchen und Eichelhäher Helfer des Waldes? Und was ist der Unterschied zwischen Wild- und Honigbiene? Allerlei Fragen sind zu beantworten. An jeder Station können die Teams Punkte sammeln, mittags werden die Tagessieger bekannt gegeben. Am Ende der Waldjugendspiele ermitteln die Organisatoren die Gesamtsieger, deren Schule für ein Jahr den Wanderpokal in Form eines lebensgroßen Keilers aus Holz bekommt. Außerdem wird auf dem Schulhof ein Baum – in der Regel der „Baum des Jahres“, 2026 also die Zitterpappel – gepflanzt. Zusätzlich erhalten die Siegerklasse und eine ausgeloste Klasse freien Eintritt in den Wildpark Lüneburger Heide. Die Jägerschaft nutzt den vor drei Jahren gewonnenen Niedersächsischen Umweltpreis, um die Busfahrt nach Hanstedt mit 500 Euro pro Klasse zu unterstützen.

Die Planungen fürs nächste Jahr haben übrigens bereits begonnen.

Mareike Hahn

Foto: Friedrich Köhler/ Jägerschaft Verden