Kitzrettung und Wiesenvogelschutz

Sommervortragsabend der Jägerschaft des Landkreises Verden

Der Vorsitzende Jürgen Luttmann begrüßt die zahlreich erschienenen Mitglieder. Foto: Köhler

Die Pandemiesituation erlaubte es uns, mit einem gewissenhaft durchgeführten Hygienemanagement am 30.08.2021 wieder einmal einen Vortragsabend der Jägerschaft Verden zu veranstalten. Das Bedürfnis der Jägerinnen und Jäger war riesengroß, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen und bei dieser Gelegenheit viele Freunde zu treffen und den Wissensstand zu aktuellen Themen aufzufrischen. Der Saal im Verdener Niedersachsenhof war erfreulicherweise sehr gut gefüllt!

Foto: Köhler
Foto: Köhler

Aktuelle Technik war der rote Faden, der sich durch den diesjährigen Vortragsabend der Jägerschaft des Landkreises Verden im Niedersachsenhof zog. Frau Iris Koehler, Jägerin und Koordinatorin des Kitzrettungsprojektes in der Jägerschaft Fallingbostel, berichtete über Ihre Erfahrungen bei der Kitzrettung während der Frühjahrsmahd. Jürgen Luttmann und Frederik von Bremen befassten sich in ihrem Vortrag mit der zeit- und tierschutzgerechten Durchführung der Fallenjagd und den Ergebnissen des Prädatoren-Managements in den FFH Vorrang Gebieten „Fischerhuder Wümmeniederung“, „Allerniederung“ und „Lehrdetal“

Iris Koehler, Jägerin und Koordinatorin des Kitzrettungsprojektes in der Jägerschaft Fallingbostel, berichtete über Ihre Erfahrungen bei der Kitzrettung während der Frühjahrsmahd. Foto Köhler

„Nur ein gesichertes Kitz ist ein gerettetes Kitz “

Die Jägerschaft Fallingbostel hat im Bereich der Kitzrettung mit Drohnen Pionierarbeit geleistet. Über Jahre wurden bereits weitreichende Erfahrungen gesammelt und Durchführung sowie Abläufe ständig verbessert. Mit dem Voranschreiten der technischen Möglichkeiten der Drohnen-Wärmebild-Technologie hat auch die Jägerschaft Verden damit begonnen, diese effektive technische Möglichkeit für die Kitzrettung zusätzlich zu den bisher angewandten Methoden der Kitzrettung einzusetzen.

Es liegt ausdrücklich in der Verantwortung der Landwirte, das Ausmähen von Kitzen und Bodenbrüter zu vermeiden. „Für uns Jägerinnen und Jäger ist es selbstverständlich, sie dabei zu unterstützen.“, erläuterte der Vorsitzende der Jägerschaft Jürgen Luttmann.

Moderne Drohnen erleichtern bei richtigem Einsatz die Suche nach in Wiesen abgelegten Kitzen massiv. Die mit Kamera und Wärmesensoren ausgestatteten Fluggeräte finden Kitze auch, wenn diese im hohen Gras verborgen liegen. Über Sprechfunk leitet Iris Koehler die Sucher zu der Stelle, wo sie aufgrund der Wärmesignatur Lebewesen erwartet. Die Sucher müssen ihren Anweisungen genau folgen und den mitgeführten Kescher im richtigen, angewiesenen Moment zügig senken, ohne das Zielobjekt selbst sehen zu können. „Damit haben insbesondere Männer Probleme.“, merkt die erfahrende Pilotin lächelnd an, „denen fehlt oft das Vertrauen. Die müssen meistens noch mal schnell gucken, ob da auch wirklich ein Kitz liegt.“ Häufig mit dem Erfolg, dass gerade die schon etwas größeren Jungtiere flüchten und später auf die Wiese zurückzukehren. „Nur gesicherte Kitze sind auch gerettete Kitze!“

Iris Koehler spricht sich ausdrücklich dafür aus, die geretteten Kitze in Jutesäcken an schattigen Stellen außerhalb der Wiese angebunden abzulegen. Kleine Kitze können bis zu 15 Stunden so gesichert bleiben… große Kitze sollten spätestens mittags wieder freigelassen werden

Bei Sonneneinstrahlung reicht der Schatten unter einem Korb oder anderen Behältnis nicht aus. Besonders junge Kitze leiden dann unter Hitze und Dehydrierung. „Außerdem sind die schwarzen Gesellen von der Luftwaffe so intelligent, dass es nur kurze Zeit dauert, bis sie gelernt haben, dass es sich lohnt, mal unter den Korb zu schauen. Raben und Krähen erkennen Zusammenhänge schnell. Sie können kleinere Kitze problemlos überwältigen.

Erst nach dem ersten Wenden der Mahd werden die Kitze wieder freigelassen. Sie werden danach problemlos von ihren Müttern angenommen, was Iris Koehler durch Filmaufnahmen belegen konnte.

Jürgen Luttmann und Frederik von Bremen (Bild) befassten sich in ihrem Vortrag mit den Ergebnissen des Prädationsmanagement Projekts. Foto: Köhler

„Erste positive Zeichen erkennbar“

Eine aktuelle Brutvogelkartierung aus dem Jahr 2020 im EU-Vogelschutzgebiet bei Fischerhude zeigt eine Zunahme der Brutreviere von 2,4% in den letzten zwölf Jahren. Im letzten Jahr betrug dieser Zuwachs nennenswerte 17,3%. Dies ist auch ein Erfolg der konsequenten Bejagung von Beutegreifern mit der tierschutzgerechten und unversehrt fangenden Falle.“, so die Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Brutvogelkartierung durch Jürgen Luttmann. „Eine reine Biotopverbesserung ohne Prädatoren-Management verpufft wirkungslos. Erst kommt überleben und dann kommt schönes Wohnen.“

Mit den durch den Landkreis Verden und der Bingo-Umweltstiftung geförderten, modernen Fallenmeldern kann der Zustand der Falle 24/7 vom Handy aus kontrolliert werden. Gefangene Tiere können so zeitnah entweder fachgerecht erlegt oder befreit werden.

Die Auslösung der Falle erfolgt über Wärme- und Bewegungssensoren. Das führte zu Beginn des Projektes zu häufigen Fehlfängen. Die Fallen lösten aufgrund äußerer Wärme oder Kleintieren aus, ohne zu fangen. Die Jägerin oder der Jäger schauten dann in eine leere Röhre. „Durch die Zusammenarbeit unserer Jägerschaft, namentlich Frederick von Bremen mit der Entwicklungsabteilung des Fallenherstellers, konnten wir dieses Problem lösen.“ Frederik von Bremen stellte dann die Smartphone basierte Steuerung der Falle vor. Mit virtuellen Schiebereglern kann die Empfindlichkeit der Sensoren an den Standort angepasst werden. „Außerdem können Sie die Falle von zu Hause aus auf Durchgang stellen, wenn Sie wissen, dass sie sie nicht zeitnah versorgen können.“, so von Bremen.

Abschließend stellte er einen neuen geförderten Fallentyp vor, der die Lücke zwischen dem Hegerohr und dem Verdener Hegetunnel (Kastenfalle) schließt.