Achim – Wenn die Sonne gerade aufgeht, lassen die Rehkitzretter bereits ihre Drohne über die Wiesen steigen. Sie suchen die Flächen der Landwirte nach Rehkitzen ab, um sie vor der Mahd zu sichern. Über drei Drohnen verfügen die Achimer Rehkitzretter bereits. Jetzt haben sie eine vierte von der Jagdgenossenschaft Hintzendorf, Stellenfelde, Allerdorf auf deren Hauptversammlung erhalten. Drohnenpilot Wolfgang Oetting und Obmann Udo Faulstich konnten außerdem Zubehör wie Transportkoffer, Stangen und Funk entgegennehmen sowie die Möglichkeit, drei weiteren Piloten einen Drohnenschein zu finanzieren. Unterstützt wurde die Finanzierung zur Hälfte von der niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. „Ich hoffe, dass wir die 2000 Hektar Fläche in diesem Frühjahr schaffen“, sagt Udo Faulstich. Bis zu 110 Rehkitze könnten gesichert werden, schätzt er. Im vergangenen Jahr haben sie zwischen 1500 und 1600 Hektar absuchen können und um die 90 Rehkitze gesichert.
Im tiefen Gras sind die Tiere nur schwer auszumachen, und selbst Hunde haben Schwierigkeiten, sie zu wittern. Zumeist sind die Flächen auch schlicht zu groß, um sie effizient zu Fuß abzusuchen. Mithilfe der Drohnen können die Rehkitze etwa mit einem Korb abgedeckt und mit einer Fahne markiert werden. Auf diese Weise sieht der Landwirt, wo er vorsichtig fahren muss, und das Kitz wird vor dem Schneidwerk bewahrt. Nach der Mahd werden die Kitze freigelassen. Mehr als 80 Prozent der Flächen, die der Hegering Achim umfasst, werden bereits abgesucht, sagt Faulstich. Die restlichen 20 Prozent der Flächen würden durch ein anderes Programm betreut oder die Kitze seien bereits mobil, wenn die Mahd dort anstehe. Ab Ende April, Anfang Mai beginnt die nunmehr fünfte Saison für die Rehkitzretter.
Dabei ist die Zusammenarbeit mit den Landwirten, Jagdausübungsberechtigten und Jägern wichtig, betont Faulstich. Genauso wichtig sind die Helfenden, die bei Sichtung eines Kitzes ins Feld gehen und es mit einem Korb sichern. „Wir haben immer Bedarf“, sagt Faulstich, der sich über jede Unterstützung freut. Wer Interesse hat, kann sich bei ihm telefonisch unter 0172/4002676 melden. Aber auch auf dem Maibaumfest werden die Rehkitzretter vertreten sein, um über ihre Aktivität zu informieren und Interessierte für ihre Gruppe zu gewinnen. Dafür müsse man kein Jäger sein, sagt Udo Faulstich.
Um den Ablauf zu vereinfachen, wird gerade an einer Applikation gearbeitet. Darüber sollen sich alle Beteiligten vernetzen können. Möchte ein Landwirt, dass sein Feld vor der Mahd abgesucht wird, soll er die Möglichkeit haben, den Einsatz anzumelden und seine Fläche mit allen notwendigen Daten eintragen zu können, darunter die Größe und die Koordinaten der Fläche. Mithilfe dieser kann die Flugroute vorher festgelegt werden. Die Piloten und die Helfenden können sich eintragen – ein Team besteht aus zwei Piloten und zwei Helfenden – und den Einsatz vorbereiten, „sodass es so wenig Kommunikation benötigt wie nötig“. Bis die App jedoch eingesetzt werden kann, koordiniert Obmann Udo Faulstich weiterhin die Einsätze.
ANNE LEIPOLD