Quelkhorn – Die sieben Helfer plus Hund, die sich zur Hühnerzähltour des Vereins für Natur-, Arten- und Rebhuhnschutz in Quelkhorn eingefunden haben, nehmen an diesem Abend ein besonderes Natur- und auch Klangerlebnis mit.
Für manche sind es erste Erfahrungen mit dem Revierruf des Hahns, der jetzt sicher zugeordnet werden kann. Das Rebhuhn ist der Vogel des Jahres 2026. Die scheuen Tiere mit orange-braunem Kopf und grauer Brust sind bereits vielerorts aus der Landschaft verschwunden, weil sie kaum noch Le-bensraum finden. In Quelkhorn gibt es noch einige Ketten von Rebhuhnern, wie Populationen dieser Vögel genannt werden. Wie viele es derzeit ungefähr sind, soll nach dem für unsere Verhältnisse strengen Winter das „Hühnerverhören“ zutage fördern, ein Monitoring mithilfe akustischer Tricks.
Die Gruppe der Rebhuhnschützer um den Vereinsvorsitzenden Wolfgang Mohr hält einen Bluetooth-Lautsprecher in den Abendhimmel der Quelkhorner Niederung. Der abgegebene Ton stellt den Revierruf des Rebhuhns dar. Das macht der Hahn mit seinem Krächzen den Konkurrenten deutlich. „Es handelt sich um eine akustische Provokation“, erklärt Wolfgang Mohr. Man gaukelt sozusagen den Rebhühnern vor, dass da ein anderer Hahn in der einsetzenden Dunkelheit steht.
Eine halbe Stunde vor der Dunkelheit fängt das Zeitfenster an; in diesem Zeitraum stecken die Hähne mit einem „Girrhäk“ ihr Revier ab. Dann fühlen sich die sehr scheuen Rebhühner sicher vor Beutegreifern aus der Luft. Und es ist noch nicht dunkel genug für Beutegreifer auf dem Boden, die dem Vogel des Jahres sehr stark zusetzen. Wenn aus den Feldern nun ebenfalls der Revierruf erklingt, kann die Gruppe auf ihrer Landkarte ein Kreuz machen. Auf diese Weise werden die männlichen Rebhühner gezählt. Die Quelkhorner Helfer haben Glück. An einer Stelle kommen Rückruflaute. Und dann läuft der Gruppe einfach die Zeit davon: Es wird zu dunkel. Georg Blohm, Landbesitzer in Quelkhorn, weiß noch von Rebhuhnketten aus seiner Kindheit zu berichten. Auch wie die scheuen Tiere mit einem kräftigen und harten Winter prima zurechtgekommen sind. Blohm zeigt auf seinen Acker, auf dem eine vertrocknete Wildblumenfläche zu erkennen ist, die im Frühjahr wieder ergrünen und blühen wird – und dringend benötigten Lebensraum für Rebhühner bietet. Daneben pflanzt Blohm Kartoffeln an. „Kartoffelkäfer sind für den Ertrag nicht gut, aber für die Rebhühner eine Delikatesse“, weiß er.
Dahinter ist ein Graben zu sehen und ein breiter Streifen mit Baum, Hecken und auch Brombeerbewuchs. Wolfgang Mohr beschreibt solche Naturabschnitte als Oasen für die Wildtiere. Mit der Nachtsichtkamera sind zwar heute keine Rebhühner auszumachen. Doch Hasen und ein Reh suchen Deckung in der Landschaft. Wolfgang Mohr möchte für die Schaffung von Wildtieroasen noch mehr Landwirte mit ins Boot holen und wirbt für ein Grundverständnis, noch mehr für die Landschaft durch geförderte Lebensraumverbesserungsmaßnahmen zu tun.
Aber auch ein Prädatorenmanagement, um gefährdete Arten durch Reduktion von Raubwild zu schützen, gehört für Mohr dazu – dieses in Anbetracht der Tatsache, dass 98 Prozent des Rebhuhn-Nachwuchses durch Beutegreifer verschwinden würden. Die Quelkhorner Rebhuhnschützer gehen davon aus, dass noch um die 50.000 Brutpaare von Rebhühnern in Deutschland leben. Besonders in den vergangenen 50 Jahren sei der Bestand um mehr als 80 Prozent gesunken, habe laut Deutschem Jagdverband seinen Tiefstand 2019 gehabt und sich zuletzt leicht erholt.
In Quelkhorn ist das ein Verdienst von Wolfgang Mohr und seinem Verein. Zusammen mit der Kreisjägerschaft Verden arbeiten sie gemeinsam mit Landwirten, die dafür Flächen geben, an der Schaffung von Lebensräumen, damit sich der Vogel des Jahres weiterhin als fester Bestandteil der Weser-Aller-Wümme-Niederung stabilisiert und nicht ausstirbt.
HEINER ALBRECHT