Verden – Wenn in ein paar Wochen die mehr als 40 frisch eingesäten Flächen auf dem Golfplatz in Verden-Walle als Blühwiesen erstrahlen werden, dann bietet sich dort nicht nur dem Betrachter ein farbenfrohes Bild. Denn neben den Golfern, die dort ihre Bahnen bespielen, und den Ausflüglern wird diese Blütenpracht auch den vielen Bienen und anderen Insekten und Tieren zugutekommen. Auf 20.000 Quadratmetern der 136 Hektar großen Fläche des Golfclubs bilden die Pflanzinseln wertvolle vernetzte Biotope.
Beim Tag der offenen Tür am vergangenen Sonntag machten sich viele Besucher bei Golf-Cart-Rundfahrten ein Bild davon, wie auf diese Weise in vorbildlicher Art die Biodiversität gefördert und die Artenvielfalt geschützt werden soll. „Jede Blüte zählt. Und bei einer neu bepflanzten Fläche in der Größe von rund drei Fußballfeldern kommt da einiges zusammen“, erläuterte Imker Heinrich Kersten, der zusammen mit Projektleiter Karsten Brandt und anderen Helfern des Verdener Golf Clubs das Blühwiesen-Projekt maßgeblich verwirklicht hat.
Vor einigen Wochen waren die Pflanzstellen ausgewählt und vorbereitet worden. Mit Rücksicht auf die Eisheiligen wurde die Saat erst vor gut einer Woche eingebracht. Erste Sprösslinge waren am Tag der offenen Tür bereits zu sehen. Verwendet wurden zwei verschiedene Saatmischungen, die aus der Region stammen. Die eine Mischung, patentiert als GAP-plus, wurde gemeinsam von der hiesigen Kreisjägerschaft Verden sowie lokalen Imkern und Landwirten entwickelt. Sie besteht aus 21 Komponenten, darunter Samen von Kornblumen, Klatschmohn, Wicken, Lupinen und mehreren Kleesorten. Diese Mischung entfaltet ihre Blütenpracht erst so richtig im zweiten Jahr und blüht dann noch lange weiter. Die zweite Mischung ist ebentalls regionales Saatgut aus dem Förderprogramm des Landkreises Verden. Diese zweijährige Blütenmischung wird viele Blumen bereits in diesem Jahr erblühen lassen.
„Bei der Auswahl der Flächen und des Saatgutes wurde bedacht, dass Wildbienen oft nur einen Flugradius von 50 bis 100 Metern haben“, erklärte Imker Kersten. Die Pflanzfelder wurden mit grün-blau bemalten kleinen Pfosten abgesteckt, was den Golfern als Hinweis dient, diese Flächen nicht zu betreten. „Auch nicht, um dorthin verirrte Bälle wiederzuholen“, ergänzte Heinrich Kersten, „denn die Flächen sollen sich selbst überlassen bleiben. Das ist Wertschätzung der Natur.“ Um die Blühflächen kümmert sich fortan das Greenkeeping-Team des Golfclubs Verden. „Damit ist es dann wie der übrige Platz auch in bewährten professionellen Händen“, meint Karsten Brandt.
Um Clubmitglieder und Unterstützer in das Projekt einzubinden, wurden und werden weiterhin Blühpatenschaften vergeben. Damit kann jeder, der möchte, den langfristigen Erhalt der Flächen fördern. „Wichtig ist es dem Golfclub auch, Kinder frühzeitig an solche Naturprojekte heranzuführen“, ergänzt Sabine Schmitt, aktives Clubmitglied. Dazu soll am Freitag dieser Woche auf einem speziell ausgewählten Platz in Flugrichtung der Bienen ein Insektenhotel aufgestellt werden. Kinder der Waller Grundschule werden beim Aufbau mithelfen. Ebenso Imker Heinrich Kersten, der nicht nur beratend zur Seite stehen, sondern auch informative Erläuterungen geben wird – zum Beispiel zur Größe der Bohrlöcher, die Wildbienen gerne nutzen, und welche Holzarten sich eignen. Im Herbst dann werden Golfclubmitglieder, Imker und Schüler nachschauen, ob Bienen in das Hotel eingezogen sind. „Wenn es bewohnt ist, wovon ich ausgehe, dann haben wir es richtig gemacht“, hofft der Imker.
Passend zur Vorstellung des Blühwiesen-Projektes informierte die Kreisjägerschaft Verden an einem Infomobil über die Rehkitzrettung mittels Drohnenaufklärung. Auch Nistkästen konnten Kinder mit Hilfe ihrer Eltern bauen und bemalen. Gleich nebenan bot Imker Kersten Einblicke in das Leben der Bienen, wozu er einen kleinen Schaukasten aufgebaut hatte. Der ließ sich öffnen und erlaubte es, Bienen in ihren Waben zu beobachten. Während immer wieder neue Besucher die bereitstehenden Golf-Carts für informative Rundfahrten über das weitläufige Gelände nutzten, versuchten sich Golf-Neulinge mit ersten Schlägen oder dem Einlochen auf einem kleinen Übungsplatz. Ein Infostand des Golfclubs mit Tombola, Spielmöglichkeiten für Kinder und einige Verpflegungsstände rundeten das vielseitige Programm ab.
AXEL SONNTAG