VAZ 21.8.26: „149 Kitze vor dem Mähtod bewahrt“

Rehkitzretter des Hegerings Achim ziehen positive Bilanz / Helfer gesucht

Im hohen Gras sind die Rehkitze kaum zu sehen. Mithilfe von Drohnen werden daher die Felder vor der Mahd abgesucht. ©Faulstich

Achim – Sechs Drohnen, 3087 Hektar und 149 gerettete Reh-kitze: Von Ende April bis Anfang Juli haben die Rehkitzretter-Teams des Achimer Hegerings in den frühen Morgenstunden die Felder nach Jungtieren abgesucht, um sie vor den Maschinen der Landwirte zu schützen. Die Nachfrage der Landwirte steigt kontinuierlich, stellt Udo Faulstich fest. Der stellvertretende Hegeringleiter und Obmann für die Rehkitzrettung koordiniert die Anfragen, Flächen und Teams.

Die Arbeit beginnt, noch bevor die Sonne aufgegangen ist. Im Morgengrauen überfliegen die Drohnenpiloten die zuvor eingespeicherten
Flächen. Wird über das Wärmebild ein Rehkitz entdeckt, nähern sich die Helfer und sichern das Jungtier mit einem Korb. Nach der Mahd werden sie wieder freigelassen. Dafür sind die Teams inzwischen im Raum Achim, Ottersberg, Oyten, Fischerhude und Narthauen unterwegs. Dieses Jahr haben die Achimer zudem mit den Jagdgenossenschaften Embsen und Cluvenhagen kooperiert, die ebenfalls je eine Drohne zur Verfügung stellen. Insgesamt bedeutet das, mehr Flächen abzufliegen und mehr Teams zu bilden.

Die fünfte Saison

Die Flächen, die die Teams absuchen, sind in der Regel zehn bis zwölf Hektar groß. Immer wieder sind aber auch zusammenhängende Flächen von bis zu 40 Hektar dabei. So werden an einem Morgen auch mal Flächen von insgesamt 180 Hektar, wie dieses Jahr in Giers-Schanzendorf, von sechs Teams übernommen. Allein der Hegering Achim hat in dieser Saison 149 Rehkitze retten können, im Vorjahr waren es 90 Kitze. Zusammen mit Embsen und Cluvenhagen waren es im Jahr 2026 sogar 188 Rehkitze. 166 Rehkitze seien während der Suche abgesprungen, haben sich also selbst gerettet. „Wir fahren so oft in der Woche raus, wie Anfragen da sind und wie sich Teams bilden
lassen“, erklärt Faulstich. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre – dies war die inzwischen fünfte Saison der Rehkitzretter – macht sich dabei bemerkbar. „Die Piloten fliegen sicherer, das überträgt sich auf die Helfer. Jeder weiß mittlerweile, was er zu tun hat“, so Faulstich.

Dieses Jahr haben die Rehkitzretter zudem ihre fünfte Drohne von der Jagdgenossenschaft Giersdorf, Schanzendorf und Grasdorf erhalten. Möglich war dies durch die Förderung der Bingo Umweltstiftung Niedersachsen. Damit stoßen die Rehkitzretter aber auch an ihre Kapazitäten. Mehr Technik bedeute auch mehr Manpower. „Wir benötigen mehr Personal, Personen, die gewillt sind, vor der Arbeit die Felder abzusuchen.“ Wer die Rehkitzretter als Drohnenpilot oder Helfer unterstützen möchte, kann sich bei Udo Faulstich telefonisch unter 0172/4002676 melden. Wer sich über die Arbeit der Rehkitzretter informieren möchte, hat dazu beispielsweise während des Kartoffelfests auf dem Gut Clüverswerder am 27. September die Gelegenheit. Um die Planung verbessern zu können, wollen die Rehkitzretter mit einer Software arbeiten. Darüber könnten die Landwirte ihre Flächen für die Drohnenpiloten hinterlegen. Auch die Kommunikation könnte über diese Software statt wie bisher über einen Messengerdienst laufen. Eine „Übermittlung per Knopfdruck“ würde die Arbeit aus Sicht von
Faulstich deutlich erleichtern.
ANNE LEIPOLD