Thedinghausen – Die Rohrweihe ist in Deutschland relativ häufig anzutreffen, gilt regional je nach Bundesland aber als gefährdet oder selten. Sie zeigt einen typischen, schaukelnden Flug mit V-förmig gehaltenen Flügeln und lebt an Gewässern und Schilfflächen.
Oder eben im Beppener Bruch bei Thedinghausen in unmittelbarer Nähe der Eyter. Auf dem Getreidefeld von Detmer Rippe aus Thedinghausen wurde Mitte Juli ein solches Nest mit vier Jungtieren entdeckt und vor dem Tod gerettet. Es gab mehrere Faktoren, die zusammenkamen, damit die Jungtiere Anfang August ihr Bodennest unbeschadet verlassen konnten.
Genau für solche Fälle haben wir im letzten Jahr die Beschaffungen solcher Schutzzäume für die örtlichen Reviere finanziell unterstützt. Antje Dahlweg
Detmer Rippe vermutet, dass der Lohnunternehmer, der sein Feld mit dem Mähdrescher gedroschen hat, eine sogenannte Warnfunktion am Mähwerk hatte, die zum Beispiel bei großen Feldsteinen oder anderen im Kornfeld befindlichen Hindernissen sofort seine Arbeit einstellt, und einen Drescherfahrer, der sehr aufmerksam war. So sah jedenfalls die Schnittkante aus, die direkt vor dem etwa 20 Zentimeter hohen Rohrweihennest endete. Der vom Landkreis Verden bestellte Landschaftswart für die Samtgemeinde Thedinghausen, Rainer Schlichtholz, informierte die örtliche Jägerschaft, die einen entsprechenden elektrischen Schutzzaun zur Verfügung stellte und aufbaute. Die Revierpächter Stefan Laackmann-Harries und Lukas Harms übernahmen das Aufstellen mit einigen Jagdkollegen.
Der Mähdrescherfahrer hatte ein etwa zehn mal zehn Meter großes Getreidestück stehen lassen. Hegeringleiter Ralf Radeke und Stefan Laackmann-Harries beobachteten das ganze Geschehen zunächst mit dem Fernglas aus einiger Entfernung. „Schau dort, Ralf, da fliegen die Elterntiere“, sagte Laackmann, als er die Eltern-Rohweihen gesichtet hatte. „Ja, okay, dann los“, zeigte es den Jägern an, dass das Nest wohl noch besetzt war. Vorsichtig fuhr die Jägertruppe mit Landwirt Rippe zum Getreidestück. Der komplette Nachwuchs saß wohlgenährt in unmittelbarer Nähe ihres Nestes im Schutze der stehen gelassenen Getreidehalme. Das Nest hatten die Elterntiere aus Pflanzenstängeln und Zweigen aufgetürmt. Allerdings war der Größenunterschied des Nachwuchses schon auffällig. „Das ist bei den Vögeln aber normal. Die Brutzeit beträgt 31 bis 38 Tage“, erklärt Lukas Harms.
Der Elektrozaun, der einem handelsüblichen Schafdraht ähnelt, aber unten feinmaschiger gewebt ist, wurde vom Trupp der Jäger rund um das Nest aufgestellt. Als Schutz vor Fraßfeinden, wie dem Fuchs oder dem Marder. „Genau für solche Fälle haben wir im letzten Jahr diesen Zaun beschafft“, sagte Ralf Radeke zur Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, Antje Dahlweg, die beim Abbau des Zaunes dabei war. „Genau für solche Fälle haben wir im letzten Jahr die Beschaffungen solcher Schutzzäume für die örtlichen Reviere finanziell unterstützt“, freute sich Dahlweg über die gelungene Aktion. Detmer Rippe hatte seinen Acker um die Fundstelle herum schon bearbeitet. „Das hat keinen Einfluss auf die Jungvögel und das Nest gehabt“, beobachtete Rippe den Einsatz seiner Maschinen. Inzwischen ist das Feld wieder komplett schier. Revierinhaber Stefan Laackmann-Harries und Lukas Harms können mit dem Fernglas und Glück noch einige Zeit die Vögel beobachten, bis sie in ihre Überwinterungsgebiete in West- und Zentralafrika abziehen und vielleicht im nächsten Jahr wieder ins Brutgebiet des
Beppener Bruches zurückkehren.
Das hofft auch die Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Antje Dahlweg, und dass der Nachwuchs nicht so endet, wie kürzlich im Südkreis gefundene Greifvögel, die vergiftete Köder gefressen hatten. „Davon distanzieren wir uns voll und ganz und hoffen, dass Täter oder Täterin ausfindig gemacht werden“, so Dahlweg.
HEINER ALBRECHT