VAZ 6.3.2026: „Zeit großer Verantwortung“

Geflügelpest prägt den Herbst im Hegering Achim

In Norddeutschland überwinternde Kraniche. Durch große Gruppen verbreiten sich Krankheiten schnell. © Jägerschaft Verden

Landkreis – Eines der prägenden Themen im Herbst hat den Landkreis Verden vor besondere Herausforderungen gestellt. Nach dem ersten bestätigten Ausbruch der Geflügelpest in einem Geflügelbetrieb Anfang November sorgte ein massives Kranichsterben in der Wümme-Niederung für Sorgen.

Für den Hegering Achim, der traditionell stark im Natur- und Artenschutz verwurzelt ist, bedeutete dies eine Zeit intensiver Zusammenarbeit, schneller
Entscheidungen und großer Verantwortung. Besonders eindrücklich zeigte sich die Situation in den Wochen des Kranichsterbens, als zahlreiche Jägerinnen und Jäger ehrenamtlich unterstützten, um die Kadaver zu bergen und die Behörden bei den notwendigen Maßnahmen zu entlasten. In der Wümme-Niederung wurden innerhalb kurzer Zeit etwa 360 tote Kraniche gefunden, die der Vogelgrippe zum Opfer gefallen waren. Die Tiere zeigten schwere Symptome, taumelten orientierungslos, konnten nicht mehr flüchten und verendeten teils qualvoll in flachem Wasser.

Nachdem Kreisjägermeister Hilmer Kruse eindringlich auf das Leid der Tiere hingewiesen hatte, erlaubte die Untere Naturschutzbehörde schließlich in Einzelfällen, schwer betroffene Tiere zu erlösen. Die Jäger handelten dabei mit hoher fachlicher Kompetenz und in enger Abstimmung mit den
Behörden.

In der aktuellen Seuchensaison waren vor allem Kraniche betroffen, während andere Wildvögel kaum oder fast gar nicht betroffen waren. Kreisjägermeister Hilmer Kruse teilte die Hypothese von Veterinären, dass Wildgänse und -enten inzwischen teilimmun seien. Dadurch konnte sich die Lage rund um dieWildvögel allmählich beruhigen, die Geflügelpest erreichte jedoch wenig später auch die landwirtschaftlichen Bestände. Am 12. November wurde die hochpathogene aviäre Influenza erstmals in einem Gänsemastbetrieb in Emtinghausen festgestellt. Rund 2.200 Tiere mussten gekeult werden, und das Veterinäramt richtete sofort umfangreiche Restriktionszonen ein. Die Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern sowie die Überwachungszone von zehn Kilometern umfassten auch Gebiete, in denen Mitglieder des Hegerings Achim aktiv sind. Insgesamt waren in den Sperrzonen etwa 300 Geflügelhaltungen mit rund 11.600 Tieren von behördlichen Auflagen betroffen.

Für die Jägerschaft ergab sich aus dieser Situation eine doppelte Herausforderung: Zum einen galt es, weiter aufmerksam auf krank oder verendet aufgefundene Wildvögel zu achten und diese sofort zu melden. Zum anderen mussten Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung vor Ort verstärkt werden. Gerade in einer Region, die als wichtiges Rastgebiet für Zugvögel wie Kraniche gilt, sind Jäger elementare Beobachter und frühe Melder ungewöhnlicher Vorkommnisse. Schon zuvor hatten Totfunde – darunter zahlreiche Kraniche – darauf hingewiesen, wie hoch der Virusdruck in der Region war. Die Jägerinnen und Jäger überzeugten in dieser Phase durch ihre Sachkenntnis, Ortsverbundenheit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Ob beim Bergen infizierter Wildvögel, im Austausch mit Landwirten oder bei der Umsetzung behördlicher Vorgaben: Die Mitglieder bildeten ein wichtiges Bindeglied zwischen Bevölkerung, Naturschutz und Veterinärbehörden. Die Ereignisse des Jahres 2025 haben eindrucksvoll gezeigt, dass engagierte, lokal verankerte Jägerschaften unverzichtbar sind, wenn Natur- und Seuchenschutz Hand in Hand gehen müssen.

Aber auch im neuen Jahr lässt uns das Thema nicht los, so ist die Geflügelpest in einem Betrieb im Landkreis Rotenburg bei Sottrum festgestellt worden und eine Schutzzone eingerichtet, die auch den Hegering Achim beeinflusst. Aktuelle Infos dazu finden sich auf den Seiten des Landkreises oder des Friedrich Löffler-Instituts.

OLIVER STOCK