Verden – „Du hast Dich seit vielen Jahren tatkräftig und voller Leidenschaft für das Jagdwesen im Landkreis Verden, aber auch im Rahmen der Jägerschaft für den Natur- und Artenschutz sowie für den Erhalt und die Schaffung von Biotopen engagiert. Zugleich war es Dir ein großes Anliegen, den Umgang mit der Natur auch den nächsten Generationen zu vermitteln“. Mit diesen Worten verlieh Landrat Peter Bohlmann am Wochenende das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Jürgen Luttmann (70).
In einer Feierstunde im Niedersachsenhof würdigte Bohlmann im Beisein der Familie und von Jagdfreunden einen Mann, der sich seit Jahrzehnten maßgeblich im Jagdwesen engagiert und dabei viele bleibende Leuchtturmprojekte angestoßen hat. Zunächst skizzierte Bohlmann Stationen im Lebenslauf des Geehrten, vom Aufwachsen zusammen mit fünf Geschwistern auf dem Hof in Klein Heins, den Studienjahren im Maschinenbau mit Schwerpunkt Automatisierungstechnik in Bremen und anschließenden Arbeitsstationen bei einem Elektronikkonzern in Mannheim und bei Effem in Verden, wo er seinen damaligen Vorgesetzten Dr. Friedrich Köhler kennen- und schätzen lernte. 2002 kam es für Luttmann zu einer Neuausrichtung seiner beruflichen Schwerpunkte, nämlich als beim Mars-Konzern betriebliche Veränderungen anstanden, die den Standort Verden zu schwächen drohten. Aus der Chefetage heraus kandidierte Luttmann für den Betriebsrat und wurde zu dessen Vorsitzenden gewählt. Die damals notwendigen Anpassungsmaßnahmen half der Geehrte abzufedern. 2016 ging Jürgen Luttmann mit 61 Jahren in Rente. „Die Betriebsratsarbeit hat mir viel für die Arbeit im Vorstand der Jägerschaft gegeben, denn da musst du überzeugen“, sagte Luttmann seinerzeit.
Die eigentliche Leidenschaft von Luttmann war und ist die Jägerschaft. Seit 1983 gehört er der Jägerschaft im Kreis Verden und der Landesjägerschaft an. Nach zwei Jahren als stellv. Vorsitzender übernahm er 2007 den Vorsitz in der Kreisjägerschaft, ein Amt, das er 19 Jahre bis zu seiner Staffelübergabe im April dieses Jahres ausübte und prägte. „In all den Jahren hat der Landkreis sich in allen Fragen, die den Wald, die Natur und auch die Gefahrenabwehr betrafen, auf Dich und die Jägerinnen und Jäger im Kreis verlassen können“, würdigte Landrat Bohlmann. „Wir haben oft an einem Strang gezogen“, sagte er, „verlässlich in den Absprachen, zielführend und mit großer Expertise“.
Eines der von Jürgen Luttmann maßgeblich angestoßenen und initiierten wegweisenden Projekte ist der Verdener Hegefonds zum Schutz natürlicher Lebensräume. Hierfür hat er aus öffentlichen Förderprogrammen, Stiftungen und der Bingo-Lotterie immer wieder Fördermittel (1,6 Mio. Euro) generiert, mit denen Feuchtbiotope angelegt, Hegebüsche gepflanzt, Streuobstwiesen und Blühflächen geschaffen wurden.
Ein weiteres Aktionsfeld von Luttmann war das 2019 gestartete „Prädationsmanagement“, welches vorsieht, durch gezielte Bejagung der Bestände von Raubwild (Dachs, Waschbären, Fuchs und Marder) den Brutvogelbesatz von bedrohten Bodenbrütern wie Kiebitz, Rotschenkel, Rebhuhn und Fasan sowie die Hasenpopulation wieder zu stärken und vor starkem Fraßdruck zu schützen.
In Zusammenarbeit mit dem Forstverband leitete der Geehrte seit 2005 die Waldjugendspiele in Verden. Für ihn eine Herzensangelegenheit, um Schülern die Natur näherzubringen und ihnen die Besonderheiten und ihren Wert zu vermitteln. Darin kam seine Fähigkeit, andere zu begeistern und zu überzeugen, erlebbar zum Ausdruck.
Nach den Worten des Landrates meldete sich einer der Vorschlaggeber für die Preisverleihung, Burkhard Fischer, zu Wort und zitierte als Jagdfreund des Geehrten aus mehreren Leserbriefen vergangener Jahre, in denen Jürgen Luttmann zur Beutegreifer-Diskussion, zum Naturschutz und zum Thema Wolf Stellung bezogen und damit auf andere Leserbriefe eingegangen war. „Diese kritisch konstruktive Stimme, aber auch Deine Gradlinigkeit, Hilfsbereitschaft und Dein teamorientiertes Denken waren Erfolg Deines Handelns und nicht zuletzt auch Dein Netzwerk von echten Freundschaften“, sagte er. Als „ehemaliger Vorgesetzter“ bei der Firma Maas und Jagdfreund stellte danach noch Friedrich Köhler den „aktiven Schutz der Kulturlandschaft“ in den Mittelpunkt seiner Laudatio. „Dein Revier ist ein Musterbeispiel für Naturschutz und Artenvielfalt“, lobte er.
Für die Verleihung des Verdienstkreuzes und die vielen Lobesworte dankte Jürgen Luttmann in abschließenden Worten, ebenso für die Wertschätzung, die er mit Freude, Dankbarkeit und Demut annehme. Und er kündigte an: „Ich werde mich jetzt nicht auf den Opa-Sessel setzen, sondern werde, wenn gewünscht, den Vorstand weiter mit Rat und Tat unterstützen“. Umrahmt wurde die Feierstunde vom Bläserchor der Jägerschaft des Landkreises Verden.
AXEL SONNTAG
Quellenangabe: Verdener Aller-Zeitung vom 24.08.2026, Seite 9