VAZ 27.8.26: „Vom Wald auf den Teller“

Die Jägerschaft Verden beteiligt sich erstmals an den Regio Wochen

Wildbret stärker als regionales Lebensmittel ins Bewusstsein rücken wollen Andreas Meyer, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft des Landkreises Verden, und Projektleiterin Lea Unterholzner. ©Bartz

Landkreis – „Wir reden viel von Regionalität. Regional, regional, regional – aber an Wild denken wir oft nicht“, sagt Andreas Meyer. Der Wulmstorfer ist stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft des Landkreises Verden. Seine Botschaft: „Wild ist eines der
besten regionalen Lebensmittel.“

Gemeinsam mit Lea Unterholzner, Projektleiterin von „Brückenschlag: Nachhaltige Ernährung Verden und Dörverden“, möchte Meyer Wildbret stärker ins Bewusstsein der Verbraucher rücken. Für Unterholzner liegt die Zusammenarbeit nahe. „Das ist ein superregionales Produkt. Es ist ein absolutes Naturprodukt und kommt direkt von den Erzeugern“, sagt sie.

Allerdings sei Wildbret für viele Menschen nur schwer erhältlich. „Ich hatte das Gefühl, dass es zu wenig zugänglich ist“, erklärt Unterholzner. Nicht unbedingt, weil in der Region zu wenig Wild erlegt werde. Vielmehr fehle vielen Verbrauchern der Kontakt zu Jägern, die das Fleisch anbieten. Anders als Kartoffeln, Gemüse oder Eier gebe es Reh oder Wildschwein nicht verlässlich in jedem Hofladen. Eine Möglichkeit, Anbieter zu finden, ist die von der Verdener Jägerschaft mitinitiierte Waldfleisch-App. Jäger stellen dort verfügbare Produkte ein. Interessierte sehen, was gerade in ihrer Umgebung angeboten wird – etwa Gulasch, Braten, Steaks oder Wildwurst.

Das Interesse an der App steige nach öffentlichen Aktionen regelmäßig an, flache anschließend aber wieder ab, berichtet Meyer. „Mein Bestreben ist es, das zu normalisieren. Es soll kein Hype daraus werden, sondern eine normale Sache.“ Wild müsse nicht ausschließlich als Festtagsbraten im Herbst oder zu Weihnachten auf den Tisch kommen.

Als beliebiges Massenprodukt will Meyer es dennoch nicht verstanden wissen. „Es sollte nicht einfach 08/15 konsumiert werden. Es ist ein Tier und ein sehr hochwertiges Lebensmittel“, betont er. Zu einem bewussten Fleischkonsum gehöre, sich mit Herkunft und Verarbeitung auseinanderzusetzen.

Unterholzner kennt die Hemmschwellen aus eigener Erfahrung. „Ich esse gerne Wild, aber super selten und habe wenig Erfahrung damit“, räumt sie ein. Vor Kurzem sei sie bei der Verarbeitung eines Wildschweins dabei gewesen und habe einige Stücke mitgenommen. Das Ergebnis habe sie überrascht: „Ich esse eigentlich gar kein Schweinefleisch. Aber dieses Wildschwein ist großartig.“

Probieren können Besucher Wildwurst beim Streuobstwiesenfest. Die Jägerschaft beteiligt sich ebenfalls an dem Programm. Für Unterholzner passt der Veranstaltungsort zu der Zusammenarbeit: „Eine Streuobstwiese ist ein sehr naturnahes Habitat. Deshalb liegt es nahe, dass Jägerinnen und Jäger dort mitwirken.“ Schließlich gehe es bei der Jagd nicht allein um das Erlegen von Wild, sondern ebenso um Lebensräume und deren Pflege.

Die Kooperation zwischen Ernährungsprojekt und Jägerschaft ist noch jung. Unterholzner hatte bereits früher versucht, die Jäger stärker in das entstehende Netzwerk einzubeziehen. Konkreter wurde der Kontakt, als Meyer an einem Vernetzungstreffen teilnahm. „Das ist sehr schnell auf offene Ohren gestoßen“, sagt Unterholzner. Das von der Robert Bosch Stiftung geförderte Projekt gehört bundesweit zu zehn ausgewählten Vorhaben des Programms „Zukunft aufgetischt!“. Es soll Erzeuger, Verarbeiter, Gastronomie, Bildungseinrichtungen, Politik und Verbraucher zusammenbringen. „Die Demokratieförderung ist ein großes Thema – in diesem Fall mit nachhaltiger Ernährung“, erklärt Unterholzner.

Das geförderte Projekt läuft nach ihren Angaben Ende dieses Jahres aus. Noch sei nicht geklärt, wie das Netzwerk anschließend fortgeführt werden könne. Aufgeben wolle man die entstandenen Kontakte nicht: „Wir möchten das unbedingt fortsetzen.“ Unterholzner wünscht sich deshalb, dass auch die Jägerschaft dauerhaft an dem Netzwerk beteiligt bleibt.

Wer Wild zunächst im Restaurant probieren möchte, wird nach Angaben der Jägerschaft bei Pades in Verden, in der Browiede in Blender sowie im Gasthaus Waidmannsheil in Diensthop fündig. Da die Speisekarten saisonal wechseln, empfiehlt sich vorab ein Blick auf das jeweilige Angebot.
DENNIS BARTZ


Regio Wochen: Die nächsten Termine

Forschertag für Kinder: Am Donnerstag, 27. August, können Acht- bis Zwölfjährige von 15.30 bis 17 Uhr in der Stadtbibliothek Verden heimische Kräuter, Obst und Gemüse erforschen. Anmeldung unter oder Telefon 04231/12480.

Tomatenvielfalt: Die Bioland-Gärtnerei WeserWuchs, Alte Reihe 33 in Dörverden-Stedorf, bietet am Freitag, 28. August, um 15 und 17 Uhr Rundgänge mit Verkostung an. Anmeldung unter

Streuobstwiesenfest: Die Veranstaltung beginnt am Sonntag, 30. August, um 14 Uhr auf der Streuobstwiese hinter Verden-Hönisch, Ecke Barneschweg/Am Fleet. Bürgermeister Lutz Brockmann eröffnet das Fest. Vorgesehen sind Führungen, Verkostungen, Apfelsaftpressen und Mitmachangebote. Das Fest endet um 17.30 Uhr.
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.