VAZ 28.5.26: „Im Einsatz für Kitze und Bodenbrüter“

Mit Drohne und Herzblut gegen den Mähtod auf der Wiese

Drohnenpilot Ralf Radeke (vorne) und Landwirt Günter Rode sind im Einsatz. ©Albrecht (2)

Morsum – Es ist Hochsaison für die Kitzrettungsteams des Hegerings Wesermarsch. Denn die Zeit von Ende April bis Anfang Juni ist die Zeit, in der die Rehe ihre Kitze setzen.

Mit modernster Technik unterstützen die Kitzretter die Landwirte. Die Kitzrettung ist in Deutschland gesetzlich durch das Tierschutzgesetz, hier Paragraf 17, das Bundesjagdgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz, Paragraf 39, geregelt. Landwirte sind demnach verpflichtet, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um Kitze vor dem Mähtod zu bewahren.

Stockenten und Fasane gefährdet
Und da kommen die Jägerinnen und Jäger, aber auch Naturfreunde und Ehrenamtliche ins Spiel. Sie setzen sich mit Herzblut für den Schutz junger Wildtiere ein. Dabei geht es in erster Linie um Kitze und Bodenbrüter, wie Stockenten oder Fasane, die im hohen Gras ihren Nachwuchs ablegen oder ihre Gelege haben. So gut versteckt, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind und beim Einsatz der Mähtechnik ohne Chance sind.

Der Morgentau liegt noch auf der Grünfläche in der Nähe der Weser in Morsum. Landwirt Günter Rode möchte zwei Flächen für sein Tierfutter mähen. Er selbst hat nicht die Möglichkeit, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. „Früher hat der Jäger seinen Jagdhund die Wiesen absuchen lassen. Oft mit wenig Erfolg, und dann ist es doch passiert, dass Kitze ihr Leben lassen mussten. Viel schlimmer ist es noch, wenn Kadaver dann ins Tierfutter gelangen.“

Günter Rode ist froh, dass die Suche nichts ergeben hat und er umgehend mit der Mahd beginnen kann. Ralf Radeke fliegt die Drohne. Dafür benötigt er, wie andere Mitstreiter im Team, einen Drohnenführerschein. Wilfried Herbst hat den Spotter in der Hand. Hierauf sieht er die Wärmequellen, wo potenzielle Kitze oder Gelege sein könnten. Scharfe Konturen deuten schon auf einen potenziellen Fund. Es ist ein Hase oder oft auch Maulwurfshaufen. Wenn wirklich was gesichtet wurde, kommt das Bodenteam zum Einsatz. An diesem Morgen sind Werner Wiechmann und Andreas Meyer dabei. Sie laufen mit einem großen Kescher los, fixieren das Tier, stecken es in einen Jutebeutel und legen es gut markiert am Rand der Fläche ab.

Nach der Mahd erlangen die Tiere durch die Landwirte wieder ihre Freiheit, damit die Ricke ihre Kitze wiederfindet. „Und die findet sie wieder“, behauptet Revierpächter Segelke Niebuhr. „Jedes gerettete Kitz ist ein kleiner Sieg für den Naturschutz – und für unser Miteinander mit der heimischen Tierwelt“, sagt Ralf Radeke. Der rund zweistündige morgendliche Einsatz hat auf fünf abgeflogenen Flächen in Morsum, Hiddestorf und Intschede keinen Fund ergeben. Übers Walkie-Talkie kommt die Meldung des zweiten Teams von der Nachbarfläche, dass sie zwei Kitze gefunden und gerettet haben. „Jeder kann im Drohnenteam mitmachen. Jeder ist wichtig“, sagt Radeke.

Verstärkung am frühen Morgen wird immer gesucht. Das frühe Aufstehen wird allein schon durch einen herrlichen Sonnenaufgang honoriert und man erhält einen ganz anderen Blick in die heimische Tierwelt. Vieles wird im Team per WhatsApp organisiert, allerdings ist das Zeitfenster kurz, denn nur bei schönem Wetter wird gemäht. Sind die Kitze erst einmal rund drei Wochen alt, entwickelt sich der Fluchtinstinkt: Sobald sich Mensch, Hund oder Maschine nähert, flüchten die Tiere.
HEINER ALBRECHT