Hegerundfahrt 2026: Hegering Achim zeigt gelebten Natur- und Artenschutz

Vertreter aus Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, Naturschutz und Wirtschaft informieren sich über Biotope, Wildschutzkorridore und ehrenamtliches Engagement

Antje Dahlweg begrüßt die Teilnehmenden auf Gut Clüverswerder

Achim – Am vergangenen Freitag fand die traditionelle Hegerundfahrt der Jägerschaft des Landkreises Verden statt. Erstmals hatte die neue Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Antje Dahlweg, zu dieser wichtigen Informations- und Dialogveranstaltung eingeladen. Ausrichter war in diesem Jahr der Hegering Achim. Hegeringleiter Matthias Müller und sein Vorstandsteam hatten ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet, das den Gästen die praktische Arbeit der Jägerschaft für Natur, Artenvielfalt und den Erhalt der Kulturlandschaft näherbrachte.

Der Einladung folgten zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, Naturschutz und Wirtschaft. Zu den Gästen gehörten die Bundestagsabgeordnete Dr. Lena Gumnior, Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld, Oytens Bürgermeisterin Sandra Röse und Ottersbergs Bürgermeister Tim Willy Weber. Aus dem Ausschuss für Klima-, Umwelt-, Naturschutz und Landwirtschaft des Kreistages nahmen Karin Bergmann, Herfried Meyer, Dirk Gieschen und Heinrich Luttmann teil. Ebenfalls vertreten waren Hella Bachmann, Antonia Heise und Jens Richter von der CDU, Özge Kadah von der SPD, Susanne Hünecke von Bündnis 90/Die Grünen sowie Christoph Pein von der FDP.

Für die Landkreisverwaltung begrüßte Antje Dahlweg Silke Brünn, Leiterin des Fachdienstes Wasser, Abfall und Naturschutz, sowie Dr. Inis Graue, Leiterin des Fachdienstes Veterinärdienst und Verbraucherschutz. Von der Unteren Jagdbehörde nahmen Jannik Lüthjen und Anika Plenge teil. Die Landwirtschaft war durch Carsten Hoops vom Landvolk-Kreisverband Verden-Rotenburg sowie Inken Rörup und Christian Marquardt von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vertreten. Zu den weiteren Gästen zählten Karsten Behr von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, Henning Struckmann von der Kreissparkasse Verden und Julia Ständer-Bock vom Amazon-Standort Achim. Ein besonderer Gruß galt dem Ehrenvorsitzenden der Jägerschaft Verden und Bezirksvorsitzenden der Landesjägerschaft Niedersachsen, Jürgen Luttmann.

Ein neues Biotop im Revier Achim Geest

Die erste Station der Rundfahrt führte in das Revier Achim Geest. Dort besichtigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein im vergangenen Jahr angelegtes Biotop, das sich inzwischen hervorragend entwickelt hat. Die neu geschaffenen Strukturen werten die Landschaft ökologisch auf und bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten wertvolle Lebensräume.
Hartmut Bleckwenn erläuterte die Entstehungsgeschichte des Projektes und stellte die Überlegungen vor, die zur Anlage des Biotops geführt hatten. Ergänzend informierte Gerd Offer, Obmann für Naturschutzmaßnahmen der Jägerschaft des Landkreises Verden, über die Planung und Umsetzung solcher Vorhaben. Dabei wurde deutlich, welche Bedeutung einzelne Biotope für den Erhalt und die Vernetzung von Lebensräumen in der Kulturlandschaft haben. Zugleich zeigte sich, dass hinter den sichtbaren Ergebnissen langfristige Planung, umfangreiches ehrenamtliches Engagement und eine enge Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft, Landwirtschaft und Grundstückseigentümern stehen.

Zusammenarbeit für bessere Lebensräume im Revier Bollen

Anschließend führte die Rundfahrt in das Revier Bollen. Dort standen unterschiedliche Maßnahmen zur Verbesserung und Vernetzung von Lebensräumen für Wildtiere im Mittelpunkt. Vorgestellt wurden unter anderem die gemeinsam mit der Stadt Achim geschaffenen Wildfluchtkorridore. Sie tragen dazu bei, Lebensräume miteinander zu verbinden und Wildtieren Wechselmöglichkeiten in einer zunehmend von Siedlungen, Verkehrswegen und weiterer Infrastruktur geprägten Landschaft zu erhalten. Vor allem sollen sie nach den Erfahrungen des Hochwassers von 2023/2024 die Möglichkeit bieten, dass sich die Wildtiere an diese Wildfluchtkorridore schon jetzt gewöhnen und bei künftigen Hochwasserlagen sicher in ihre Rückzugsräume zu gelangen.

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit war ein Biotop, das erst vor wenigen Wochen gemeinsam mit den Amazon Volunteers aus Achim freigestellt und aufgewertet worden war. Die Gäste konnten sich vor Ort davon überzeugen, wie sich das Engagement unterschiedlicher Partner wirkungsvoll mit der praktischen Naturschutzarbeit der Jägerschaft verbinden lässt.

Auch die umfangreichen Blühstreifen im Revier verdeutlichten die vielfältigen Möglichkeiten, Natur- und Artenschutz unmittelbar vor Ort zu fördern. Die Blühflächen bieten zahlreichen Insekten Nahrung und schaffen zugleich Deckungs- und Rückzugsräume für viele Wildtiere. Gemeinsam mit den Biotopen und Wildschutzkorridoren bilden sie wichtige Bausteine zur Aufwertung der Kulturlandschaft.

Abschluss und Austausch auf Gut Clüverswerder

Den Abschluss der Hegerundfahrt bildete ein gemeinsames Wildgrillen auf Gut Clüverswerder. Im weitläufigen Garten des Anwesens kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei bestem Wetter zusammen. Hier bot sich Gelegenheit, die Eindrücke der Rundfahrt zu vertiefen und die Gespräche zwischen Jägerschaft, Politik, Verwaltung, Landwirtschaft und den weiteren Partnern fortzusetzen.
In ihrem Schlusswort dankte Antje Dahlweg dem Hegering Achim, den Referenten und allen Helferinnen und Helfern, im Besonderen dem Team von Gut Clüverswerder für die gelungene Ausrichtung. Sie machte zugleich deutlich, dass die Aufgaben der Jägerschaft weit über die eigentliche Ausübung der Jagd hinausgehen. Die während der Rundfahrt vorgestellten Projekte belegten anschaulich, wie viel praktische Naturschutzarbeit mit Fachwissen, langfristiger Planung und ehrenamtlichem Einsatz in den Revieren geleistet wird.
Mit Blick auf die aktuelle Novellierung des Niedersächsischen Jagdgesetzes sprach Antje Dahlweg insbesondere die vorgesehenen Regelungen zum Umgang mit gefangenen Hauskatzen an. Sie betonte, wie wichtig es sei, die Erfahrungen der Jägerinnen und Jäger aus der Praxis in die politische Diskussion einzubeziehen und die vorgesehenen Regelungen sachlich sowie fachlich unter dem Gesichtspunkt des Wildtier- und Artenschutzes zu begleiten.
Zum Abschluss fasste Antje Dahlweg den Anspruch der Jägerschaft und die Bedeutung des Dialogs mit den Gästen zusammen:


„Die Jägerinnen und Jäger sind die Anwälte der Wildtiere. Die heute vorgestellten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie viel Engagement in unseren Revieren für Natur- und Artenschutz geleistet wird. Umso wichtiger ist der Austausch mit Politik, Verwaltung und unseren Partnern vor Ort, damit wir auch künftig gemeinsam Verantwortung für unsere Wildtiere und ihre Lebensräume übernehmen können.“
Antje Dahlweg, Vorsitzende der Jägerschaft des Landkreises Verden


Die Hegerundfahrt zeigte damit nicht nur konkrete Projekte des Hegerings Achim. Sie machte zugleich deutlich, dass erfolgreicher Natur- und Artenschutz besonders dort gelingt, wo Jägerschaft, Landwirtschaft, Kommunen, Behörden, Unternehmen, Grundstückseigentümer und ehrenamtlich Engagierte gemeinsam Verantwortung übernehmen.

LG/OS

Bilder: Friedrich Köhler