VAZ 18.9.26: „Renaturierung im Revier“

Projekt in Achim-Borstel kostete 25.000 Euro / Verwilderte Katzen

Auf der jährlich stattfindenden Hegeringrundfahrt wurde auch dieses Mal wieder viel besprochen, begleitet von Musik. ©Heiner Albrecht

Achim – Zu der alle Jahre wiederkehrenden Hegeringrundfahrt lud die Kreisjägerschaft Verden ein. Gastgeber war diesmal der Hegering Achim. Bei diesen Exkursionen besichtigen Jäger, Landwirte und vor allem geladene Gäste ausgewählte Reviere im Landkreis Verden, um sich vor Ort über Biotoppflege, aktiven Naturschutz und lokale Wildbestände auszutauschen.

Hierzu hatte die Kreisjägerschaft ins Revier im Bereich Achim-Borstel (Achim I) eingeladen. Treffpunkt war hinter dem Gewerbegebiet Achim Ost, wo die Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Antje Dahlweg, zunächst die zahlreichen Gäste begrüßte. Bürgermeister, Mitglieder des Kreistags, Mitarbeiter der Kreisverwaltung und Vertreter der Landwirtschaftskammer waren gekommen. Treffpunkt war an einem Biotop, das erst im vergangenen Jahr renaturiert wurde. Verwuchert, verlandet, nichts mehr übrig von dem Teich, in dem noch vor 70 Jahren gebadet wurde. 2022 fanden die ersten Planungen zur Renaturierung statt, teilte Hegeringleiter Mathias Meyer mit. Zwei Jahre konnte nichts gemacht werden. Es war zu nass. Im vergangenen Jahr rückten schweres Gerät und viele fleißige Helfer an und haben die Büsche und das Unterholz entfernt. „Hier macht sich die gute Zusammenarbeit mit einer Firma bezahlt. Hier weiß der Baggerführer, wo er ansetzen muss und wo nicht“, sagte der Ehrenvorsitzende der Kreisjägerschaft, Jürgen Luttmann, der im letzten Jahr die Maßnahme noch begleitet hat. Aus der Runde kam die Frage nach dem Preis für die Maßnahme. 25.000 Euro, teilweise von Bingo-Stiftung und anderen Zuwendungen unterstützt. Mit der Summe sei man sogar unter dem Budget geblieben, was sehr preisgünstig ausgefallen sei, war zu hören. Abgetragenes Material wurde am Rand des Biotopes belassen und musste nicht kostenintensiv abgefahren werden. 30 Prozent des Buschbestandes blieben als Deckung für Wildtiere. „Der Pflegeaufwand ist in den ersten fünf Jahren gleich ‚Null‘“, sagte der Obmann für Naturschutzmaßnahmen, Gerd Offer.

Wer von einem trockenen Sommer spricht: Im Biotop war noch genügend Wasser. Das Biotop ist mit Gräben verbunden, um Wasser vor Ort zu speichern. Zeigt das Biotop den höchsten Wasserstand, schätzt Gerd Offer den Wasserstand auf 1,50 Meter. Bevor sich die Gruppe zum Haus Clüverswerder aufmachte, um mit Kremser-Wagen das Revier in Bollen an der Weser und am Deich zu erkunden, sprach Antje Dahlweg noch ein aktuelles Thema an.

Laut aktueller Gesetzgebung muss jede gefangene Katze im Fundbüro, also Tierheim, abgegeben werden. Ein Freilassen ist verboten. Jäger als Anwälte der Wildtiere haben laut Aussage von Antje Dahlweg kein Interesse am Töten von Haustieren – auch nicht von Hauskatzen. Es gilt aber der Schutz der heimischen Wildtiere. Zwar hat der Mensch Prädatoren wie Marderhund, Waschbär und Mink ausgesetzt, aber die schärfsten Prädatoren sind laut Schätzungen in Niedersachsen 200.000 verwilderte Katzen. In Deutschland sollen es sogar zwei Millionen verwilderte Katzen sein. Was im Gesetz stehe, habe Staatssekretärin Frauke Patzke relativiert: Wenn mit zumutbarem Aufwand erkennbar oder ermittelbar sei, dass es sich um eine Hauskatze handele, solle sie wieder freigelassen werden.

„Hier machen wir uns als Naturschützer unglaubwürdig, wenn wir Katzen wieder freilassen“, so Dahlweg. Die Jägerschaft nehme das Angebot von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte an, obwohl es keine Lösung sei, sondern eine Verlagerung des Problems. Mit den Tierheimen sei gesprochen worden und entsprechende Transportboxen seien in den Revieren vorhanden. Nach Beendigung der Rundfahrt trafen sich alle am Haus Clüverswerder, wo der Nachmittag mit einem gemütlichen Grillen abgeschlossen wurde. Jagdbläser umrahmten mit zünftigen Beiträgen diese Veranstaltung musikalisch.
HEINER ALBRECHT